Um ganz von vorne zu beginnen: meine alte Wohnung war ein scheiss Schimmelloch und ich hatte endlich was neues gefunden. Das komplette Hab und Gut war schon in Kartons verpackt und auf den Weg in die neue Bleibe. Das streichen des Lochs fing an…
Was auf den ersten Blick gar nicht so schwer ausschaut, war die Besorgung von Abklebematerial. Aber: nun studiert man inzwischen Informatik im dritten Semester, der Geldfluss noch einer der spärlicheren Sorte und gelesen, was auf altmodischem Papier (das Zeuch, auf die BWLer die Emails drucken…) steht, wurde auch schon des längeren nichts mehr. Man greift also intuitiv in Richtung der günstigsten Variante des Malerkrepps, immerhin ein Preisunterschied von ca 3 wertvollen Euronen.
Gandi, der mich in meinem gesammten Umzug noch sehr unterstützen wird, fing an mit dem Abkleben der Türrahmen, während ich mit den vielen anderen helfenden Händen die letzten Kisten in die schimmelfreie Wohnung frachtete und die Karre wieder auf den AstA Parkplatz stellte. Uni war dann endlich zuende und die hauptsächlich durch Farbe gefährdeten Stellen waren schon lange gesichert und Gandi war schon fast fertig mit streichen, das 30qm 1-Zimmer Schimmelloch braucht zum Glück nicht lange. Es wurde also das vermeintliche Krepp wieder abgenommen. So der Plan.
Nun muss man sich vorstellen, wie man sich fühlt, mit dem erlösenden Gedanken endlich alles geschafft zu haben feststellen zu müssen, dass sich das “Krepp” nicht mehr ablösen lässt. Wieder im Baumarkt und mit dem Übeltäter in Händen, hätte man eigentlich laut lachen müssen. Zum abdichten von Rissen in Aussenfassaden
Nu liegt das Teufelszeuch im gleichen Regal wie Malerkrepp, die Ähnlichkeit ist nicht abzustreiten und dann startet auch schon das Gelächter der Mitarbeiter, nachdem man die missliche Lage geschildert hat.
Zurück in der Wohnung mit “Klebe Löser”, 12 Euro, der genau gar nichts tut, wenn man sich bei der Dosierung an die Vorgaben hält. Wenn man die Vorgaben ignoriert, löst sich die oberste Schicht des Klebebands, der eigentliche Kleber bleibt aber. Ignoriert man die Vorgaben noch mehr, löst sich nicht nur der Kleber, sondern auch der ganze Türrahmen auf…
Baumarkt, die dritte: Schleiffpapier, 1,80 €, neuer Lack (feuerrot), 12 € und vorsorglich noch eine Familienpackung Terpentinersatz eingepackt, 5 €, welches noch sehr nützlich sein wird.
Da sich das kleine Desaster (bis auf die falsche Lackfarbe) schon fast dem Ende neigt, überschlagen wir mal (in Euro):
-3 (gespart, weil richtiges Malerkrepp mehr kostet als nukularbeständiges Abdichtungsband)
+12 (eine ganze Flasche Klebelöser auf 2 Türrahmen verteilt)
+1,80 (insg. 6 Schleifpapiere, 2 verschiedene Körnungen)
+12 (der falsche Lack, ich schätze Weinrot oder Dunkelrosenrot wär das Richtige gewesen)
+5 (Terpentinersatz, da wir inzwischen ahnen, dass der Lack nicht nur auf den Türrahmen bleiben wird)
Bleibt am Ende ein Plus von 27,80 Euronen für Herrn Hornbach und mir drängt sich der Gedanke auf, doch hier und da Schilder und Etiketten zu lesen. Mindestens beim nächsten Umzug… “Ziehen” und “Drücken” sind auch solche Kandidaten die ich gerne ignoriere.
Abschließend bleibt nur noch zu sagen, Terpentin war notwendig, mein Daumen sah zwischenzeitlich dem aufgelösten Türrahmen erschreckend ähnlich und der Vermieter kam donnerstags, war zufrieden und die volle Kaution wieder in meinen zerschundenen Händen.
Die erste Geschichte die ich nicht wieder vergessen will
Grüße,
Christian
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